Erfahrungsberichte

Meine Kontakte zu Pferden, Menschen und Verein DALARNA sind gewachsen, vertieft und mit vielen positiven Erfahrungen verbunden. Obwohl ich ja alles andere als das typische Mitglied bin (männlich, uralt, völlig unsportlich und ein Mensch mit Behinderung) ist es immer wieder ein schöner Kontakt. Und dann ein freundliches Pferd zu begrüssen, das mich dann auch begrüsst, wer hat das schon – hier in Kattendorf! Gruß Helmut (04.03.2008)

Diese Seite möchten wir nutzen, um nach und nach die Menschen zu Wort kommen zu lassen, die sich ein ganz persönliches Bild vom DALARNA bilden konnten und gerne einen Teil ihres gewonnenen Einblickes teilen möchten und können.

Wir danken den Autorinnen und Autoren, die die Lebendigkeit vom Pferderücken mit ihren Zeilen auch auf diese Seite tragen. Vielen Dank für die Mühe!

Erfahrungen machen!

Wir als angehende ErzieherInnen hatten die Möglichkeit, den Kontakt zu Pferden hautnah zu erleben, Vertrauen zu erfahren, selber die Zügel in die Hand zu nehmen, einen ersten Einblick in das therapeutische Reiten zu erhalten und so viel mehr.
Ein besonderer Dank auch an Tom, Nanne und Toni. (Sarah, 01.03.2012)

(…) herzlich danken für die wunderschöne Zeit bei Ihnen, die erhellenden Reitstunden, die herrlichen Pferde und die Freundlichkeit, mit der ich empfangen wurde. Ich freue mich auch, dass es noch Reitställe gibt, wo es nicht nur ums Geld geht, wo die Pferde auch Rechte haben und nicht nur Pflichten. Kurz, dass die Pferde bei Ihnen gut behandelt werden, war für mich eine riesige Freude und auch der Umgang miteinander war angenehm und von Achtsamkeit und Sorgfalt geprägt. Für all das herzlichen Dank. Das nehme ich als gute Erinnerung mit.

 

Wöchentlicher Reitunterricht, Ein Bericht von Julia B.:

Mittlerweile reite ich schon einige Jahre in Kattendorf und auch nach vielen schönen Tagen dort ist mir noch immer nicht langweilig geworden:).

Ich bin sehr glücklich, dass ich einen Reiterhof gefunden habe, der mich nicht nur zum Reiten gebracht hat, sondern auch um viele Erfahrungen reicher gemacht hat. Hier in Kattendorf kann man sowohl das Reiten in allen Einzelheiten lernen, sogenannter “Helfer” werden:), als auch neue witzige Bekanntschaften schließen.
Meiner Meinung nach lohnt es sich immer mal einen kleinen Abstecher (oder auch einen größeren:)) zu unserem Reiterhof zu machen, denn Spaß ist dort garantiert.

Kinderferienkurs, Ein Bericht von Silke B.:

Meine Kinder (4 und 5 Jahre alt) haben in den Herbstferien 2012 einen Reitkurs bei Göta, Inken und Lena besucht. Sie hatten eine wirklich tolle Woche!

Die jungen und sehr aufmerksamen Reitlehrerinnen haben den Kleinen einfühlsam die Welt des Reitens näher gebracht. Die Kinder durften Vieles ausprobieren und etliche Pferde und Ponys kennenlernen. Sogar einen Ausritt (auf die nächste Koppel) war im Programm.
Vielen Dank für die tolle, lehrreiche, spaßige, gut betreute, persönlichkeitsstärkende Woche! Weiter so!

Pferd hilft Mensch! Ein Bericht von Helmut über seine Erlebnisse mit dem Therapeutischen Reiten

Warum es gut tut, auf einem Pferd zu sitzen, habe ich erst lernen müssen. Dieses große Tier, genannt Pferd oder Pony (ich weiß nicht, wie sie noch alle heißen), also die haben mir immer großen Respekt abverlangt. Soviel Kraft, soviel Gewicht – da halte ich lieber Abstand, denn eine zu große Nähe macht Angst.

Dann aber lernte ich eine andere Seite kennen. Und heute bin ich ein überzeugter Freund von Antonio, einem Kasachischen Kaltblut, einem geduldigen Pferd mit einer so unerschütterlichen Ruhe, dass ich Toni, wie wir ihn nennen, immer wieder gerne begrüße.

Nun, das ist ein Teil meines Lernprozesses der letzten Monate, denn ich habe mit dem Therapeutischen Reiten begonnen. Heute steige ich von meinem Rollstuhl in der Reithalle auf das Podest, neben dem Toni und Annika, die Reitlehrerin und Therapeutin, stehen. Toni wartet in aller Ruhe ab, dreht den Kopf in Richtung Rollstuhl, er weiß, dort warten die Möhren auf ihn. Die gibt es aber erst nach der Arbeit. Ich hangele mich meinen Armen und der Unterstützung von Annika auf Tonis Rücken. Gar nicht so einfach, ein Bein muss schließlich über den Rücken hinüber und meine Beine wollen oft nicht so ohne weiteres (Spätfolgen der Kinderlähmung), da ist Hilfe erforderlich.

Nach etlichen Reitstunden ist mir Toni nun so vertraut, dass Annika die Anweisung KOMM MIT an Toni gibt, er sich in Gang setzt und ich dort in dieser Höhe (1,50 m) nun die Aufgabe habe, nicht hinunter zu fallen. Das ist übrigens noch nicht passiert – erstaunlich, nicht wahr? Das Übungsprogramm ist vielfältig: die Sitzpositionen ändern: nach vorne auf das Pferd legen, im Stand und im Gang. Dann natürlich nach hinten kippen (echt, mal eben: lege dich mal nach hinten aus dem Sitz, völlig entspannen, wau, ich bin stolz auf mich) und ebenfalls im Stand oder in Bewegung. Nun seitlich, so herum und anders herum…

Oder heute mal reiten lernen, mit Zügel oder mit Halsring. Oder zum Schluss mal im Trab? Bitte schön, und schon geht es los: völlig entspannt mit der richtigen
Anspannung im Rücken (bloß nicht so viel denken, Helmut, fühlen!) eine Hallenseite Trab.

Was bringt mir das therapeutische Reiten? Mein Körper ist in letzter Zeit zunehmend angespannt, verkrampft. Auf dem Pferd bin ich plötzlich locker, kann den vielen Bewegungen des Pferdekörpers ohne Verspannung folgen. Da kann ich nur staunen und mich freuen. Und ich merke, wie meine Muskulatur in manchen Bereichen kräftiger geworden ist, zum Beispiel im Rücken.

Ich kann nur sagen, es ist so angenehm auf dem Pferderücken von Toni zu liegen, alle Körperteile von mir entspannt hängen lassen und Tonis warmen, weichen Körper zu spüren, die Bewegungen, die Atmung, seine Reaktionen auf meine Bewegungen. Unglaublich, wie so ein großes Pferd feinfühlig ist.

Dann der letzte Akt: Toni bekommt die Möhren: eine, die zweite, die dritte (sind alles Kleine) und dann? Alle, nein, Toni glaubt es nicht, kommt näher, schnuppert hier und da, den ganzen Rollstuhl auf und ab. Es ist einfach herrlich, dieser Kontakt, die Verbundenheit zu dem Pferd.

Um es auf einen Nenner zu bringen: es tut meinem Körper, meinem Geist und meiner Seele wirklich gut: das Therapeutische Reiten ist eine sehr, sehr gute Medizin.
Oft lege ich mich anschließend in die Badewanne, summe vor mich hin, habe gute Laune. Ja, so geht es mir mit dieser Art von Therapie. Noch Fragen?

Weitere Bilder sind in der Galerie zu finden!

Schnupperkurs für Erwachsene, Ein Bericht von Karin B.:

Meine Eltern hatten es gut gemeint. Auf dem Rücken eines Ponys sollte Klein-Karin abgelichtet werden – damals, vor über vierzig Jahren – in einem Freizeitpark. Das unfreiwillige Aufsitzen endete in einem Desaster: Tränen flossen und was blieb, war die Überzeugung: „Pferde sind bockig, unberechenbar, doof und zwicken beim Füttern in die Finger!“ „Was also – um alles in der Welt – soll ich heute auf diesem Reiterhof?“ „Ja, gerade weil Du Pferde blöd findest, sollst Du mitkommen“, erwidert mein Mann(fred), der sich schon seit Wochen auf diese drei Tage freut. „Ok, da bin ich – keine Ahnung, wozu!…“ Was Irma wohl von mir denkt, als ich sie am Freitag so begrüße? Das bleibt ihr Geheimnis. Mit einem Lächeln erklärt sie Bianca, Christiane, Manfred, Stefan, Wendy und mir den Ablauf der kommenden Tage. Ich bin fasziniert von der Ruhe, die dabei von ihr ausgeht. „Gut, dann holen wir erst mal drei Pferde aus dem Stall. Die könnt Ihr jeweils zu zweit putzen und striegeln.“ „Aha, ganz klasse, nun muss ich auch noch in meiner Freizeit putzen!“ ist mein letzter „blöder“ Gedanke – ich schwör’s! Es ist sicherlich kein Zufall, dass Irma für mich Toni ausgesucht hat. Mit seinen 23 Jahren hat er schon viele störrische Menschen er-tragen. Den kann auch eine querköpfige Karin nicht erschüttern.

„Hallo, Du bist also der Toni“, spreche ich den Gaul vor seiner Box zaghaft an und schaue ihm dabei höflich in die Augen. Wie ich später erfahre, hilft das Einreden auf das Tier eher dem Menschen, um Hemmungen oder Ängste abzubauen. Und dass Toni beim direkten Augenkontakt nicht aggressiv wird (das entspräche nämlich seinem natürlichen Verhalten), sondern gelassen bleibt, habe ich seiner jahrelangen Erfahrung mit unwissenden „Neulingen“ zu verdanken. Tiersprache ist eben nicht Menschensprache. Sarah, Wendys Tochter, steht uns mit Rat und Tat beiseite, während ich diesen mächtigen, muskulösen Pferdekörper striegele. Wie warm der ist! Und haarig! Aber das stört mich kein bisschen – er scheint meine ausgedehnte Massage zu genießen. Nach diesem ausgiebigen Verwöhnprogramm (das Fell glänzt und die Hufe sind sauber ausgekratzt) steht der große Moment bevor. Wir sollen gleich – nach dem Aufsitzen mit Hilfe eines riesigen „Hockers“ – zunächst mal wahrnehmen, wie es sich anspürt, auf dem Pferderücken über den Platz zu schreiten. „Wer will als Erstes?“ „Ich!“ – höre ich mich rufen ;o) Wow, sooo ein breiter Rücken! Und dieses geschmeidige Rückgrat – trotz der Größe! Ich spüre Tonis Atmung. Sein warmes Fell. Seine Muskeln. Wie unglaublich sensibel dieses Tier ist! Es reagiert auf die kleinste Zügelbewegung (Irma läuft neben Toni her, hält dabei locker die Zügel in der Hand).

Ok, Karin, Lektion eins: Eigentlich ist es ziemlich nett von diesem Lebe-Wesen, Dich auf seinem Rücken zu tragen. Ja, es hat seinen eigenen Willen (genau wie Du…), aber es ist bereit, auf Deine Signale zu reagieren – Du musst nur lernen, sie eindeutig auszusenden.

Als ich später auf dem Nachhauseweg unentwegt von „meinem Toni“ schwärme, wird Manfred schon eifersüchtig. Die Freude auf den nächsten Tag ist groß. Stolz erzähle ich jedem, der mir über den Weg läuft: „Ich gehe zum Reiten!“

Genau genommen hat es mit Reiten noch nicht viel zu tun, was wir am zweiten Tag machen: Bei herrlichem Sonnenwetter dürfen wir im Schritt auf die angrenzende Weide. Zunächst hält Manfred die Zügel und läuft neben uns her, während ich einfach nur versuche, mich den Bewegungen „meines“ Pferdes anzupassen. Das ist heute Nanne, eine junge „Dame“. Sie ist natürlich ganz anders gebaut als Toni und nicht ganz so geschmeidig; noch etwas „eckig“ und impulsiver. Wieder zurück auf dem „Platz“ erlebe ich denn auch was es bedeutet, wenn eine Stute „rossig“ ist: Für Nanne gibt es eindeutig noch Wichtigeres, als mich im Schritt Runde für Runde auf dem Rücken zu balancieren… Den jungen Wallachen vor den angrenzenden Ställen beim Buchstaben „E“ macht sie regelmäßig schöne Augen. Da scheitern meine Bemühungen, unmissverständlich zu signalisieren, dass wir beide nun bitteschön nicht zum Flirten stehen bleiben, sondern brav weiter traben, bis ich das Kommando zum Anhalten gebe.

Am dritten Tag lerne ich, dass das „Lenken“ eigentlich „fast“ so einfach ist, wie beim Fahrradfahren. Sagt Irma. Tja, finde ich gar nicht… Den Fahrradlenker kann ich fest packen und willentlich in eine Richtung drehen– so ein dünner Zügel hingegen leistet keinen Widerstand. Muss ich erwähnen, dass ich beim Slalom-(Schritt)Reiten mächtig ins Schwitzen komme? Was bei geübten Reitern locker-lässig und selbstverständlich aussieht, fordert meine ganze Konzentration.

Umso größer ist meine Bewunderung für Irma, die uns anschließend ein „Join Up“ zeigt. Wie wir erfahren, hat der 1935 geborene „Pferdeflüsterer“ Monty Roberts mit dieser Methode bahnbrechende Erfolge erzielt.

In der kleinen Reithalle beobachten wir mucksmäuschenstill diese ca. fünfminütige Demonstration. Mae, eine junge, wild aufgewachsene, menschenscheue englische Stute, steht sichtlich verunsichert neben Irma. Diese hält keinen Blickkontakt, spricht nicht mit dem Tier, scheint ihm jedoch durch ihre freundliche, aber bestimmte Körperhaltung Respekt einzuflößen. Dann versetzt sie Mae – durch mehrmaliges Zuwerfen eines Seils und einen festen Blick in die Augen – in eine künstlich herbeigeführte Fluchtsituation. Irma simuliert mit dieser Aktion das zeitweise Ausstoßen aus der Herde bei Fehlverhalten. Ein frei lebendes Pferd würde mehrere Hundert Meter flüchten, doch hier merkt das Tier, dass ein Entkommen nicht möglich ist. Ihm bleibt nur, ausgestoßen Runde um Runde am Hallenrand entlang zu galoppieren – eine ausweglose Situation. Also sendet Mae innerhalb weniger Minuten Verbrüderungssignale aus: Ihre Ohren orientieren sich zu Irma hin, die während der gesamten Zeit nichts anderes tut, als sich im Zentrum der Halle mit minimalistischer Bewegung um die eigene Achse zu drehen. Nun beginnt Mae zu kauen und zu lecken. Hiermit will sie signalisieren, dass sie „eigentlich nur ein harmloser Pflanzenfresser“ ist. Ihr Schritt verlangsamt sich. Als sie schließlich ihren Kopf tief senkt und sich rund macht, bleibt Irma stehen. Sie wendet dem Tier halb den Rücken zu und scheint gelassen auf den Boden vor sich zu schauen. Dies weckt die Neugierde bei dem Pferd – es bleibt unvermittelt stehen. Noch unsicher geht es dann langsam von hinten auf Irma zu. Zur Belohnung für die Annäherung reibt Irma Mae – ohne sie dabei anzuschauen – die Stirn. Durch diese Geste erfährt das Tier, dass Irma ihr wohl gesonnen ist und Sicherheit gibt. Als Irma nun einige Schritte geht, folgt ihr Mae ruhig nach, um den „Herdenersatz“ nicht zu verlieren. Die Stimmung in der Halle ist heiter und entspannt. Wir Zuschauer sind sprachlos und äußerst beeindruckt von dieser einfühlsamen Art der Kommunikation.

Monty Roberts‘ Devise: „Wenn wir mit dem Pferd in seiner Sprache vernünftig reden, wird es tun, was wir möchten. Aber nur, weil es das auch selber will – und nicht, weil es dazu gezwungen wurde” klingt noch lange bei mir nach.

Sollte jeder in seinen Alltag einbauen – könnte auch in der einen oder anderen Situation in der Familie oder am Arbeitsplatz funktionieren … ;o)

Nie hätte ich gedacht, dass ich hier so viel lernen würde! Irma, Toni & Freunde: Ganz lieben Dank für diese intensive Zeit mit Euch. Wir kommen wieder – versprochen!

Weitere Fotos sind in unserer Galerie eingestellt!