Emmis Einsichten: eine Corona-Krisenkolumne

Hallo, ich bin Emmi, eine der unzähligen Katzen vom Nachbarhof. Einige von euch kennen mich ja bereits. So ab und an schaue ich mal bei euch vorbei, vor allem dann, wenn mir der Trubel zu Hause zu viel wird oder ich Hunger habe. Dann schleiche ich mich rüber und schaue nach, ob eure Katzen etwas Eßbares übriggelassen haben. Heinke ist nett. Sie tut so, als sähe sie mich nicht, wenn sie mir die Stalltür öffnet. Zuvor bekomme ich ein freundliches „Hallo Emmi“ zu hören, sie streichelt mich am Köpfchen und krault mich hinter den Ohren, was ich gerne mag. Dann öffnet sie die Tür und schaut demonstrativ in die andere Richtung. Und in der Futterkammer bin ich dann auf mich allein gestellt.  Dann muß ich erst einmal die Lage sondieren. Schauen, ob Lancelot und Frieda in der Nähe sind. Die sind nämlich nicht so begeistert, wenn ich zu Besuch komme. Und dann ist da noch der neue Dachbodenkater. Heinke hat ihn „Frederick“ getauft. Sie sagt, sie will ihn anfüttern, aber warum sie ihn anfüttern will, hat sie mir nicht erklärt.

Heute morgen jedenfalls schnappte mich Heinke und meinte: „Du kommst mir gerade recht. Hier auf dem Betrieb herrscht aktuell wenig „Betrieb“.“ (Mädele, was glaubst Du eigentlich, warum ich hierher komme?) „Wir müssen unsere Mitglieder über unsere Webseite doch auf dem Laufenden halten. Wir müssen ihnen erzählen, was hier so passiert, während sie in diesen Zeiten zu Hause sitzen und nicht herkommen dürfen.“

Ich verstand zwar kein Wort, aber egal. Heinke gab mir zu verstehen, daß ich ja kommen und gehen würde, wie es mir passt, und ich so viele Dinge mitbekäme, die ihr entgehen würden. Sie verdonnerte mich dazu, eine Art Tagebuch zu schreiben … Ich wehrte mich natürlich, denn ich habe ja auch meinen Stolz. „DALARNA“ ist nicht mein Hof. Heinke grinste mich an und deutete auf die Futterschüsseln. „Ich würde Dir nicht nur weiterhin die Tür öffnen, sondern auch das eine oder andere Häppchen nachfüllen.“ … Was soll ich sagen? Ich nahm das Angebot an. Eine Kätzin muß sehen, wo sie bleibt. … Worauf nur habe ich mich da eingelassen?